abschalten- im dschungel

„abschalten“ kann jetzt auf verschiedene arten interpretiert werden. im dschungel wird wohl bei den meisten der teilnehmerInnen irgendwann der punkt eintreten, bei welchem die option, das gehirn abzuschalten, eine geeignete sein wird. möglicherweise bringt der eine oder die andere protagonistIn ohnehin von zuhause schon weniger graue zellchen mit, dann muss auch nicht so viel abgeschalten werden. möglicherweise sind einige jedoch auch wieder gesegnet und stocken so ihre haushaltskasse, ohne viel aufwand (frau menke verweigerte schon einmal das grindessen) für die nahende pension auf. das abschalten könnte nun auch für die, im feinen warmen vor dem fernsehgerät oder computer, sitzenden zuschauerInnen gelten, denn eines ist gewiss: das camp polarisiert, wie ich an zahlreichen postings auf facebook habe erkennen dürfen. rekordbeitäge mit bis zu 200 kommentaren bei freundinnen, die im normalfall höchstens 20 erreichen. was macht nun das phänomen des dschungels mit menschen, die im „wirkliche“ leben weder dumm noch dämlich sind? im folgenden ein interessanter bericht auf rp-online:

„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ Dschungelcamp als Opium fürs Volk

es sind also bewiesenermaßen weder die soziale unterschicht noch die blöden, in prozentzahlen halten sich die finanziell schwächer gestellten und besserverdiener die waage. viele von uns schauen zu, trauen es sich jedoch nicht zuzugeben. da werden töchter vorgeschoben, die sich diesen mist anschauen wollen oder man hätte nur zufällig hineingezappt, hernach gleich wieder abgeschalten…

„Der große Erfolg von Reality-Shows wie dem Dschungelcamp kommt auch daher, dass Menschen einfach Humor lieben“, erklärt Frank Schwab,…„und Humor ist oft gar nicht nett, sondern hat viel mit Schadenfreude zu tun.“

eine winzige sadistische neigung wird also konstertiert, schadenfreude, des weiteren häufig schwaches selbstwertgefühl und ausgeprägtes gerechtigkeitsgefühl. gladiatorenkämpfe 2.0!

ich persönlich genieße das dschungelcamp, um abzuschalten. alltagsprobleme und sorgen rücken in den hintergrund. absurdität, ekelhaftigkeit und groteske und niveaulosigkeit auf höchstem niveau, hört man genau auf die genialen und kultverdächtigen kommentare von daniel hartwich und sonja zietlow, werden die nächsten 14 abende meines lebens regieren. von höchstem interesse meiner beobachtungen sind natürlich die alten schachteln, die an diesem spektakel teilnehmen: allen voran fräulein menke, die zu ihren besten zeiten der neuen deutschen welle, 1982 hits, wie „hohe berge“ sang,

sie ist 56 jahre. neben ihr ist hanka rachwitz mit 48 ein jungspatz, sie studierte germanistik und kunst und bringt zum schauplatz dschungel 1000 ängste mit, ob dies wahrheit oder show ist, wird sich zeigen. ebenso wirken 2 männliche „alte schachteln“ markus majowski, ein schauspieler, 53 jahre, bekannt aus ottos „sieben zwergen“ und thomas hässler, ein ehemaliger fußballspieler und -weltmeister 1990,  51 jahre, mit.

ich finde es ausgesprochen mutig, in zeiten, in welchen schlabberarme tabu, falten am besten botoxiert und „schönheits“operationen am tagesplan stehen, hier neben jungen aufgeplusterten brüsten, straffen popos und aufgespritzen schlauchbootlippen teilzunehmen.

ich bin neugierig, wie sie sich schlagen werden und ob es einen unterschied geben wird zwischen den alten männer- und frauenschachteln. gestern fand ich bereits sehr sehr lustig, dass hanka gegen „honey“ bei dem uns altbekannten spielchen „schere stein papier“ antrat, während honey es als „schnick schnack schnuck“ bezeichnete. hanka wählte auch sofort als nummer 1 das fräulein menke, damit sie sich nicht ausgegrenzt fühlt…hmmm??? im vorfeld fragte ich mich, ob nur die straffen bodies beim umziehen gezeigt werden würden, wurde jedoch gleich eines besseren belehrt, denn die nahaufnahme präsentierte uns sogleich die speckfalten eines 56jährigen bauches. in der werbung sollten auch wesentlich mehr „ganz normale“ ältere bäuche, mit mehr oder weniger großen fettwülsten, die häufig nach schwangerschaften nicht mehr zu einem sixpack mutieren, gezeigt werden. dann würde möglicherweise auch der diätwahnsinn, der bereits bei sehr schlanken jugendlichen beginnt, eingedämmt werden oder ganz verschwinden. wo sind nur die zeiten hin, als schauspielerinnen noch kurven zeigten! auch der angstbewältigung von hanka, als sie in das flugzeug stieg und dem umstand, dass alle die hängebrücke überqueren konnten, zolle ich höchsten respekt. möglicherweise ist also der dschungel eine gute gelegenheit, um ängste in den griff zu bekommen, wie beispielsweise flug- und höhenangst. da ich als normalsterbliche jedoch höchstwahrscheinlich nicht gefragt werde, als kanditatin im dschungel aufzutreten (und das wahrscheinlich auch nicht für sehr viel geld täte), muss ich mir andere strategien überlegen oder weiterhin auf vermeidung von reisezielen, die nur durch einen flug zu erreichen sind, setzen.

ich freue mich über kommentare! schaltet ihr ab- oder schaltet ihr ab?

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