brieflich schreiben

BRIEFE SCHREIBEN

ich schreibe mails, whatsapp-nachrichten und chatte. manchmal telefoniere ich auch noch. meistens geht es um das essen, wer das brot und die milch kauft, sushi mitbringt, oder was es denn zum essen geben wird. ich bin ständig erreichbar, ständig online und dadurch auch ständig gestresst. oft erwische ich mich beim gedanken an den satz, „früher woar ois bessa“, den ich als junger hupfer gehasst habe und mir damals hoch und heilig geschworen hatte, ihn niemals nicht auszusprechen!

die lösung liegt wie immer bei mir selbst, ich MUSS nichts müssen und ich MUSS auch nicht ständig erreichbar sein. das kind ist ja so klein auch wieder nicht mehr und alles andere kann sowieso ein bisserl warten.

wann habt ihr denn den letzten richtigen BRIEF mit der hand geschrieben?  bei mir ist das schon eine ganze Weile her. meine handschrift kennt mein liebster von zahlreichen einkaufslisten. und auch meinen jährlicher weihnachtsbrief vom gespons an mich, lese ich in arial oder times new roman.

wem werde ich schreiben? worüber werde ich schreiben? soll es ein liebesbrief werden, an die kinder, an den partner, die freundin, …? sogleich bin ich mittendrin und freue mich richtiggehend, meine handschrift in längeren ausführungen zu aktivieren.

ich entscheide mich, meinem geliebten manne zu schreiben:

 

im vorfeld zünde ich ein kerzerl an, bringe die duftlampe zum riechen und schenke mir ein achterl rotwein ein. das briefpapier wird in den laden gesucht. das dauert länger als erwartet, weil ich schon etwas länger suchen muss. der beginn geht dann auch nicht wahnsinnig schnell, denn so flüssig wollen mir die worte nicht von der hand fließen. nach einigen anfangsschwierigkeiten erwischt mich ein richtiggehendes schreibhoch. ich fühle mich entschleunigt und leicht und bin ganz vertieft in meine gedanken. schlussendlich habe ich doch ein meisterwerk von meiner feder gelassen, um das ich meinen liebsten fast beneide…

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