eine reise in die vergangenheit

in jünglichen jahren als ich noch die schulbank drücken durfte, gab es nichts schöneres, als samstäglich den wiener flohmarkt am naschmarkt aufzusuchen.

FLOHMARKT IN WIEN (NASCHMARKT)

der wiener flohmarkt eröffnete 1977, genau zu jener zeit, als ich in ein oberstufenrealgymnasium im ersten wiener gemeindebezirk wechselte. einerseits befand sich dieses nahe des naschmarkts und andererseits doch weit entfernt von meinem elternhaus im heimatbezirk floridsdorf.

dieser besuch war mir seitens meiner eltern strengstens untersagt, denn der flohmarkt wurde mit haschenden nach patchouliöl riechenden persona non grata assoziiert. ein dorn im auge meiner mutter war, dass auch ich nach diesem flohmarktöl stank. eingeraucht befand ich mich allerdings nur durch den konsum zu vieler zigaretten. ein laster, das ich gottlob nur kurz in meinem leben raum gab.

was gab es hier alles zu bestaunen. Ich liebte alte lederjacken, weiße mit häkelrand versehene zu große omahemden und nachthemden und modeschmuck aller art.

es gab zu diesen zeiten einige gruppen, wie beispielsweise die popper oder mods. sie trugen pullunder, lacostepoloshirts und mokassins mit fransen. ein stil, den ich mir schon aufgrund mangelndem reichtums nicht leisten konnte und welcher mir möglicherweise auch deshalb nicht gefiel. ich nähte mir einfache blusen im halbkreisstil selbst, fladerte die rauhlederjacke meines vater und trug bänder im dauergewellten haar. in dieser zeit fiel auch die volksabstimmung zum atomkraftwerk in zwentendorf. viele von uns trugen abzeichen.

Quelle: Anne Lund; Rechteinhaber: OOA Fonden, registered EU Community Trademark No. 004193091 & No. 009935289, siehe oami.europa.eu: CTM-ONLINE – Detailed trade mark information – SmilingSun-Shop, Logo, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=4083116

in der klasse wurde lebhaft diskutiert. leider durfte ich jedoch 1976 noch nicht an der abstimmung teilnehmen. ich bemühte mich jedoch redlich, alle verwandten und bekannten von der unsinnigkeit und gefährlichkeit von atomkraftwerken zu überzeugen. ob meine überredenskünste ausschlaggebend für das ergebnis zeichneten, weiß ich nicht. letztendlich siegten die atomkraftgegnerInnen und ich fand das großartig.

weniger großartig finde ich die tatsache, dass rundherum um österreich genügend kraftwerke in betrieb sind, deren zustand schlicht als gefährlich bezeichnet werden kann.

was kann getan werden?

es gibt immer wieder petitionen, wie derzeit folgende von global 2000:

https://www.global2000.at/mochovce-protest (5/2017)

FLOHMARKT EGGENBURG

nach diesem ernsten bereich möchte ich nun wieder in meine vergangenheit reisen. durch den besuch am vergangenen samstag am jährlich wiederkehrenden flohmarkt in eggenburg gelang mir dies auch bestens. flohmärkte sind nämlich manchmal langweilig für mich, da hauptsächlich dinge, wie (kinder)kleidung, schuhe oder (video)spiele aus der kürzeren vergangenheit dargeboten werden, die mich nicht sonderlich interessieren. ich stehe mehr auf relikte aus der zeit meiner großeltern, wie beispielsweise geschirr, gläser und kerzenständer aller art, bevorzugt mit rosen. ebenso finden sachen aus meiner kindheit meinen gefallen, denn beim betrachten lässt es sich wunderbar in erinnerungen schwelgen. so geschehen beim anblick der melodica im grauen koffer.

genau mit so einem grauen koffer bin ich des nachmittags in meine volksschule spaziert, um melodicadiös auf dem instrument zu blasen. das üben war damals nicht so meines, deshalb blieben die künste auch eher im verborgenen. in wirklichkeit weiß ich auch nicht mehr, ob es mein dringendster wunsch war, ein instrument spielen zu lernen, oder ob dies dem wunschdenken meiner mutter entsprang. deshalb blieb dieses unterfangen auch ein intermezzo.

ebenso begeisterte mich auch diverses retro geschirr. das ich geschirr mag, liegt hauptsächlich an der tatsache, dass meine eltern sogenannte „gschirrtandler“ waren. zunächst als großhandel, danach auch in einem geschirrgeschäft am kutschkermarkt im 18. bezirk in wien.  ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie wir, mein vater und ich volksliederträllernd mit einem vw-bus durch wien kurvten, um waren zu liefern. das war immer recht einträglich für mich, da ich häufig großzügig beschenkt wurde. ich bekam kochgeschirr für meine puppen, süßigkeiten oder auch manchmal den einen oder anderen schilling.

so ist eggenburg ein flohmarkt, wo wirklich vorwiegend gegenstände aus der „guten“ alten zeit angeboten werden, wie auch beispielsweise möbel oder luster. nur vereinzelt wurden stände gesichtet, wo auch waren neueren datums angeboten werden.

wenn ihr auch so gern in erinnerungen stöbert, lasst es mich wissen. vielleicht finde ich ja noch an anderen sachen gefallen auf meinen alten schachteltagen.

 

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