gedächtnistraining mit liedern & gedichten

FADED

auf der fahrt zur arbeit höre ich ö3, ich bin eine bekennende wecker-freundin. zuhaus hab ich es gern ruhiger, wenn ich einmal bewusst höre, dann danzer, austropop, grönemayer und westernhagen. mein liebster sammelt unterm jahr titel, die mich besonders aufhellen und -heitern und brennt mir diese dann zu weihnachten regelmäßig auf eine jahresbestof-cd, bei welcher häufig einige songs des vergangenen jahres erhalten bleiben.

lieblingslieder im radio trällere ich im auto laut und mit begeisterung sowie mit kopfschüttel und armbewegungen mit. hinter mir fahrenden autofahrern bleibt dies jedoch verborgen, denn ich bin klein. und hin und wieder ein gestreckter freudig erhobener arm bleibt, so hoffe ich, unbemerkt. häufig fehlen mir textstellen und verstehen tu ich (oftmals auch bei deutschsprachigen liedern) nur die hälfte. längere zeit blieb beispielsweise das „ned danach“ bei dem song „jedermann“ – im refrain: „um a liebe kämpft ma währenddessen, ned danach“  artikulatorisch unverstanden und erst das jungsprosserl half der alten schachtel, unerhörtes zu verstehen. das derob empfohlene hörgerät muss jedoch nicht erstanden werden, da es sich nachweislich nicht um einen altersbedingten hörverlust handelt, schimpft das kind in ihren imaginären bart, hört der altspatz nämlich wunderbarst, was nicht immer zu erheiterungen führt!

beim mitträllern verstehe ich häufig nada, mein englisch ist aber auch eher schlecht als recht! deshalb habe ich mich heute dem songtext von „faded“, eines meiner derzeitigen lieblingslieder in lyrikform hingegeben und konzentriert mitgelesen. leider bei einigen textzeilen mit dem gleichen erfolg. einiges ist jedoch beim mitlesen deutlich klarer und verständlicher und schlussendlich wird auch der sinn gut erkannt. tragisch daran ist jedoch die erkenntnis für mich, dass nunmehr durch das textverständnis das lied einen bitteren und dramtischen beigeschmack erhält. das lässt den schlusszu, dass es möglicherweise manchmal besser ist, nicht alles verstehen zu müssen…

deutsche übersetzung

warum „monsters“ mit „dämonen“ und „faded“, das für mich „verblasst“ bedeutet mit „Ich bin nur noch ein Schatten meiner selbst“ übersetzt wird, entzieht sich meiner kenntnis.

fakt ist, dass mich die beschäftigung und das bewusste zuhören und mitsingen erfreut haben und mir das übersetzen des textes einiges an englischem vokabular näher gebracht hat.

einmal bei liedtexten angekommen, widme ich in dieser woche auch dem lesen lernen von gedichten:

MORGENSTERN

ich lese wintergedichte. eines will ich erwählen, um es auswendig zu lernen. das schult mein gedächtnis.
laut einer US-Studie (focus) kann durch denksportaufgaben, welche zumindestens 1x pro woche durchgeführt werden, das alzheimerrisiko um 7 % gesenkt werden. bei elf tagen im monat verringerte es sich um 63 %. eine art von denksport ist das auswendiglernen von gedichten oder witzen.
von den zahlreich gelesenen gedichten, erscheinen mir einige als wenig erbaulich. winter wird oft mit dem sterben und dem tod verbunden. wie das reh sanft verbluten kann, ist mir ein rätsel, trakl kann dazu leider nicht mehr befragt werden.

Im Winter

Der Acker leuchtet weiß und kalt.
Der Himmel ist einsam und ungeheuer.
Dohlen kreisen über dem Weiher
Und Jäger steigen nieder vom Wald.
Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.
Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.
Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten
Und langsam steigt der graue Mond.
Ein Wild verblutet sanft am Rain
Und Raben plätschern in blutigen Gossen.
Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.
Georg Trakl (1887-1914)
da gefällt mir folgendes gedicht schon wesentlich besser, erinnert es mich doch an meinen spaziergang im waldschnee.

Neuschnee

Flockenflaum zum ersten Mal zu prägen
mit des Schuhs geheimnisvoller Spur,
einen ersten schmalen Pfad zu schrägen
durch des Schneefelds jungfräuliche Flur –

Kindisch ist und köstlich solch Beginnen,
wenn der Wald dir um die Stirne rauscht
oder mit bestrahlten Gletscherzinnen
deine Seele leuchtende Grüße tauscht.

Christian Morgenstern (1871-1914)

ich lese laut, merke mir zeile um zeile und werde es meinen liebsten beim abendessen vortragen, die gesichter meiner liebsten kann ich mir bereits lebhaft vorstellen.

beim lesen und lernen der gedichte überschachtelte mich ein kreativitätsschub und ich will euch mein wunderbares gedicht nicht vorenthalten:

mein freund, der schnee

der schnee, er knirscht unter meinem schuh,

er flüstert leis und raunt mir zu:

ich bin dein freund, weil mir gefällt,

dass dich jetzt nichts zuhause hält!

gemeinsam gehn im winterland,

du hältst mich fest, hand in hand.

rosa box (ü50)

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