garteln

a rose is a rose is a rose…

ich gartle.

hätte mir dies jemand vor 20 jahren gesagt, dass ich einmal mit freude auf allen vieren in der erde wühlen werde, dann hätte ich laut gelacht.

aufgewachsen bin ich in einer gemeindebauwohnung in wien. wir hatten einen kleinen balkon, der jedoch ausschließlich zum teppich ausstauben genutzt wurde. später als junge erwachsene, als meine eltern eben aus jener wohnung auszogen, legte ich mich zwar das eine oder andere mal in die sonne, aber pflanzen sah dieses reich niemals. wenn ihr euch jetzt fragt, warum denn meine eltern auszogen, tja, böse zungen behaupten, ich hätte diesen schritt nie gesetzt. die wahrheit ist, dass sie eine trafik erstanden, dort schon sehr früh aufsperrten und aus diesem grund eine wohnung in unmittelbarer nähe erwarben.

wir verfügten auch über ein kleines stelzenhäuschen auf einem pachtgrund in den tullner donauauen. diese hütte war jedoch die einzige im ganzen verein, wo außer den grashalmen keine anderen pflänzchen wachsen durften. sprich, meine mutter putzte lieber die stiege und die hütte, als dass sie blumen eingrub. zusätzliche arbeit und kramuri wurden nicht gewollt. dies hätte auch die rasenmähtätigkeit meines vaters erschwert. ich denke, dass sich mein gespons einen sogenannten haxn ausreißen würde, wäre ich in kleinen ansätzen wie meine mutter. obwohl ihm die gestaltung des gartens sehr wohl gut gefällt, verflucht er mich beim mähen das eine oder andere mal, wenn er zugegebenermaßen bereits sehr gekonnt um zahlreiche obelisken, rosenbögen, buchshecken, rosen und andere dekorationsobjekte herummähen muss. schlussendlich muss dann auch noch mit der rasenkantenschere eben diese kante nachgeschnitten werden, weil ja der mäher nicht so nahe an dieses firlefanz heran darf.

jetzt werden sich sicher auch einige fragen, warum ich denn dann nicht selbst mähe. so richtig kann ich das jedoch gar nicht beantworten. es hat sich einfach im laufe der jahre eine arbeitsteilung dahingehend ergeben, dass ich plane, einkaufe, dekoriere, rosen und pflanzen schneide, unkraut jäte, aber geschnittenes entfernen und mähen der liebste übernimmt. ein luxus, wenn ich königinnengleich verdörrtes schneide, es zu boden fällt und mein edler gatte heraneilt, um es zum kompost zu bringen.

jahre später als der liebste gefunden war, zog ich von wien in das schöne weinviertel und ein handtuchgarten wurde nach anleitung des buches von karl plobergerger „der garten für intelligente faule“ gestaltet. am 18. juni war jährlich lt. mondkalender bis 12h unkrautzupftag angesagt. uns war eigentlich immer wurscht, ob dies naturwissenschaftlich erklärbar ist oder nicht, denn wir haben dann auch immer nur an diesem einen tag gezupft. das unkraut hielt sich immer in grenzen. deshalb blieben wir bei diesem tag. heuer fällt der 18. auf einen sonntag. das ist fein!

als wir 16 jahre später einen grund an einem wunderschönen plätzchen mit freier sicht über angrenzende felder und weinberge fanden, vergrößerte sich auch der garten. naturgemäß gibt es hier auch mehr zu mähen, mehr zu pflanzen und auch mehr platz zum dekorieren. gottlob war der garten jedoch bereits mit beet und alten apfel-, birnen- und zwetschkenbäumen, sowie sträuchern und pflanzen aller art gut bestückt, sodass ich nur mehr meine rosenleidenschaft einbringen musste. das heißt, dass im herbst vor 2 jahren 27 wurzelnackte, ausschließlich weiße, rosen bestellt wurden und diese dann vom göttergatten an meinem geburtstag eingegraben wurden.

eine challenge, da an manchen gewünschten stellen, besonders im hofbereich, etliche steine zu finden waren. alle gedeihen prächtig und sind in diesem jahr bereits so kräftig und groß wie sie sein sollten.

im folgenden ein paar impressionen unseres gartenREICHs:

das beet, auf diesem ausschnitt in weiß gehalten. die ananas, o-ton des ehemanns, die eigentlich ein pinienzapfen ist, erinnert mich an eine rosenknospe.

der platz zum seele baumeln lassen. ursprünglich stand diese hängematte noch in meiner alten wohnung im wohnzimmer, wechselte dann im reihenhaus in den wintergarten, bis sie schlussendlich im garten gelandet ist.

ein dachbodenfund

die kinderschaukel, die zwar fürs sprösslein gekauft wurde, jedoch in der wohnung nie zum einsatz kam.

silberrosen vom brascac inmitten der wunderschönen alten pfingstrosen, die sich bereits im garten befanden.

ein ursprünglich schwarzes spalier mit rosenranken weiß gesprayt.

eine alte zinkbadewanne als kräuterbeet zweckentfremdet.

das alte ursprünglich blaue klappfahrrad der vorbesitzerin silber gesprayt und als blumenständer umfunktioniert.

da ich die alutüre nicht anbohren wollte, türkränze im allgemeinen immer etwas schwer sind und auch bei wind durch anschlagen lärm verursachen, habe ich bei depot ein tischset erstanden und eine kitschige aber schöne plastikrose durchgesteckt.

ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure guten ideen in kommentaren zukommen lasst und ich das eine oder andere bild von eurem garten-, balkon oder blumenkistlparadies zu sehen bekomme!

das garteln ist natürlich nur dann gesund für die alte schachtel, wenn sie sich nicht überanstrengt. auch langes knien ist nur bedingt zu empfehlen und wenn dann auf einem speziellen kniekissen. wirklich lustige knieschoner habe ich bei the british shop gesehen. werden jedoch einige bewegungen gymnastikmäßig ausgeführt, wie etwa das bücken als kniebeuge, spricht einiges dafür das garteln ein jungbrunnen ist. durch die arbeit mit pflanzen gelingt es auch, zu entschleunigen. rosenschneiden beispielsweise ist für mich eine medidative tätigkeit. genauso wie das herunterstreichen von läusen, die an den rosenknospen sitzen.

ein wichtiger grund ist, dass garteln im freien stattfindet. der garten ist eine vitamin d quelle. frische luft, sonne, der duft der pflanzen, es sind mannigfaltige gründe, warum die natur einen balsam für unsere seele darstellt.

es empfiehlt sich bereits im vorfeld mit stärkenden übungen beispielsweise für die oberschenkelmuskulatur zu beginnen, damit kniegelenke oder das kreuz nicht schmerzen.

wichtig ist auch, dass die diversen gartengeräte der größe angepasst sind. ich brauche beispielweise eine leichtgängige und kleine rosenschere, da ich kleine hände mein eigen nenne und mir oftmals die hand schmerzte bis ich eben auf diesen umstand rücksicht nahm und ein wenig geld investierte, um mir eine gute schere zuzulegen.

pflanzen werden am besten auf einem pflanztisch in töpfe gesetzt. ich habe wenige, da ich nicht so wahnsinnig gerne arbeiten wie gießen erledige, die dann unbedingt stattfinden müssen. darum habe ich lediglich dankbare pflanzen, wie beispielsweise efeu und sukkulenten in töpfen oder die pflanzgefäße stehen im freien, wo es dann ohnehin oftmals regnet.

das unkrautzupfen am 18.6 ist auch nicht unbedingt das wahre. besser ist es, die tätigkeiten zu wechseln.

schwere lasten werden am besten mit der scheibtruhe transportiert, gegossen wird besser mit dem schlauch als mit der gießkanne.

obwohl stylisch, sind flipflops beim garteln nicht das schuhwerk der ersten wahl!

nach der gartenarbeit empfiehlt sich eine heiße dusche oder ein bad. auch der thermophor im kreuze oder die infrarotkabine, auch im sommer, tun ein übriges, um die gelenke und muskeln wieder versöhnlich zu stimmen.

die bewegung tut gut, farben und gerüche wirken stimmungsaufhellend. wichtig ist, zwischendurch immer wieder ganz bewusst zu riechen, zu schmecken und zu fühlen. wird achtsamkeit und gelassenheit praktiziert und will die alte schachtel nicht pflichtbewusst alles auf einmal erledigen und schaffen, bäume ausreißen sozusagen, ist die psychische und physische gesundheit durch garteln garantiert.

 

 

 

 

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